The Night Eternal: Tauchen Sie ein in "Cold Velvet"

Eisig neue Kleider?

 

Wenn man sich in Deutschland nach den ersten Epizentren des Heavy Metal umsieht, dann ist eine Region, die dort hervorsticht, mit Sicherheit das Ruhrgebiet. Mittlerweile legendäre Bands wie Grave Digger, Kreator und Sodom nahmen dort ihren Anfang und ähnlich wie auch in England fand die Metal-Kultur in der von harter „Maloche“ geprägten Region schnell Anschluss.

 

Nun beginnt eine neue Band aus Essen, für Aufsehen zu sorgen. Seit The Night Eternal 2018 mit dem Ziel angetreten sind, den ikonischen Retrosound der Metal-Urgesteine der 70er und 80er Jahre auf ihre eigene Art wieder aufleben zu lassen, haben sie ihren Stil ständig weiterentwickelt, indem sie das Ganze mit Elementen aus dem Post-Punk und der Gothicszene mischen.

Cold Velvet heißt die neue Platte und ob sie wirklich die Kunst der Essener samtig weich einkleidet oder es sich um zusammengeflickte Lumpen handelt, das erfahrt ihr jetzt.

Der Opener „Where This World Ends“ setzt bereits den Ton für das ganze Album. Ein kalter E-Orgelklang wirft uns in stabile Rhythmusgitarre und ein feines, sehr melodisches Tapping. Die Stimme von Frontmann Ricardo Baum hat einen unheilverkündenden und fast melancholischen Klang.

Baums Stimme ist es auch, die Songs wie „Don’t Look Back“ und „Caught In A Spell“ trägt. Am meisten fällt hier seine Vielfalt auf. Resonierender Gesang im Stil der 80er Jahre, wie man ihn zum Beispiel Bruce Dickinson heute noch von den Bühnen dieser Welt scheppern hört, mischt sich mit einer beeindruckenden Kopfstimme und immer auch mal wieder der ein oder anderen rauen Sprechpassage.

Die ganze Band hat ein unglaublich starkes Gefühl dafür, was sie mit dem Titel des Albums „Cold Velvet“ erreichen möchte. Die Atmosphäre des Werks ist dunkel-distanziert, ohne klischeehaft oder aufgesetzt zu wirken.

Ein gutes Beispiel dafür ist „Veins Of Time“. Ein Song, der druckvoll reingeht. So sehr, dass man ihn auch problemlos in einer Rocky-Trainingsmontage verwenden könnte. Je weiter der Song voranschreitet, desto klagender wird jedoch Ricardos Stimme, bis sie sich gegen Ende des Songs, begleitet von einem schneller werdenden Solo, fast in Screaming begibt. Diese Ausbrüche sind selten und wirken daher wie die ungespielte Wut eines Suchenden in diesem Stück und nicht wie eine Requisite zur Erfüllung irgendeines Genrekriteriums.

Unter anderem gibt die Band Iron Maiden als eine ihrer Inspirationen an und das hört man am deutlichsten bei „Shape Of Sorrow“. Drums und hohe Gitarren treiben uns in diesen Song, der seinen Drive bis zum Ende beibehält. Shape Of Sorrow ist da, aber kein Maiden-Klon, sondern entwickelt durch die ganz eigenen Melodie- und Drumstrukturen einen individuellen Klang. Man könnte also sagen, er ist eine Anlehnung, ohne die Balance zu verlieren. Für mich der stärkste Song des Albums.

Raus aus der Platte geht es mit „Dance on Crimson Ground“. Eine Ballade, die den Hörer immer wieder in Tempopassagen wirft und so für Abwechslung sorgt.

 

Fazit: The Night Eternal gelingt es mit Cold Velvet, ein Kleid aus dem edlen Stoff zu weben, den der Albumtitel ankündigt. Ich bin wirklich begeistert. Die Inspirationsquellen der Band scheinen durch. Jedoch hat man bei keinem Song das Gefühl, hier würde was kopiert werden. Durch die ganze Platte wird eine Kontrolle aufrechterhalten. Solis sind nicht übermäßig vertreten, sondern atmosphärisch genau richtig gesetzt in der passenden Intensität. Ricardos Baums samtige Stimme, welche die Instrumentalisten zusammenbindet, rundet das Ganze harmonisch ab. Wirklich ein hörenswertes Stück.

Danke fürs Lesen und bleibt metallisch. \m/

 

Christian Peeck, Moshpitkombinat 2026

 

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