Wilder Ritt und gefühlvolle Balladen
Heute nehmen wir mal The Hu und ihre neue Scheibe HUN unter die Lupe. Ob es galoppierend über die Steppe geht, oder dem Gaul die Luft verlässt erfahrt ihr hier.
Der Eröffnungstrack „Wariors chant“ fällt gleich etwas mit Nachdruck in die Jurtentür. Schnelle Stakkato Rhythmen machen klar, worum es gehen soll.
Danach gibt es bei „Lost Soul“ , das zusammen mit Jonny Hawkings von Nothing More aufgenommen wurde, einen deutlichen Stilwechsel und auch Intensitätsabfall. Hier wird eindeutig mehr Wert auf Radiotauglichkeit gelegt.
Das sich daran anschließende „The Men“, bringt das Album wieder auf rockigere Pfade, um dann in die gefühlvolle Ballade „Echoes of my Father“ überzuleiten. Unserer Meinung nach, einer der emotional tiefgreifendsten und instrumental am eindrucksvollsten orchestrierten Nummern des Albums, das auch dem des mongolisch Unkundigen, wie es auf die meisten von uns zutreffen dürfte, eine Gänsehaut auf den Pelz zaubert.
Schwere Gitarren übernehmen bei „Shadow“ wieder kompromisslos die Zügel, als wäre man nach einem Abend des gedankenverlorenen nachsinnens in der Steppe, nun wieder auf dem Weg in ein neues Abenteuer.
Im gleichen Stil führt „Horsemen“ diesen wilden Ritt fort und bringt den Zuhörer in Bewegung.
„Greed“ ist der Track, der künstlerisch am meisten Fleisch bietet. Ruhig und methodisch aufbauend, gleitet er gegen Ende, die schnell aus der Kontrolle geratende Dynamik der titelgebenden Gier symbolisierend, immer mehr in ein Chaos ab.
„The Real You“ schließt sich nahtlos an mit Hochgeschwindigkeit und der Aggressivität, eines Kampfes gegen das eigene Selbst im musikalischen Gewand.
Wer jetzt bei „Grey Hun“ wieder etwas ruhiges erwartet, sieht sich stattdessen mit einem midtempo Stück, welches ein beeindruckendes Streichsolo aufweist konfrontiert.
Erst beim vorletzten Song „Universe“ wird es wieder atmosphärisch und ruhig. Die Mannen nehmen ihre Stimmen spürbar zurück, verabschieden sich weitgehend vom Kehlgesang und geben ihren Instrumenten den nötigen Raum, die ganze weite des Universums zu besingen. Zusammen mit „Echoes of my Father“, der emotional mitreißendste Song des Albums.
Zum Abschluß weißt uns „Second Face“ mit viel Kopfstimme und einem fröhlichen Beat den Weg nachhause und beendet die Reise mit The HU.
FAZIT: Ein über weite Strecken gelungenes Album, das an den richtigen Stellen mit kunstvollen Stücken aufgelockert wird, um nicht langweilig zu werden. Ein Ritt der sich lohnt, auf einem Pferd, das trotz vorübergehender Ermüdung standhaft ans Ziel kommt.