Tanzwut – Herz aus Stein
Schon das Cover lässt erahnen, wie sich das Album anfühlt. Ein steinernes Herz, halb stilistisch, halb anatomisch, gehalten von zwei Händen. Musikalisch bewegen sich Tanzwut mit der Platte immer wieder auf und ab zwischen hartem Industrialsound, bei dem die Dudelsäcke deutlich in den Hintergrund treten und von Keys und Gitarren dominiert werden.
Ein gutes Beispiel dafür findet sich auch gleich im Opener „Rosenkrieg“. Der hier thematisierte Liebesschmerz findet vor allem in hartem Sound mit gezielter melodischer Untermalung seinen Ausdruck.
Das sich anschließende „Keine Band für eine Nacht“ stellt gleich die zweite große Säule in den Raum: ausladende Bläserpassagen und launige Feiertexte.
Beim Titeltrack „Herz aus Stein“ wird es deutlich ruhiger und poetischer. Hier wird Teufels melancholische Stimme von Violinen getragen und auch die Harten setzen mit langsamem Stakkato die Aufmerksamkeit auf die nachdenkliche Stimmung des Stücks.
In „Zeitgeist“ wird es wieder deutlich härter und auch kritischer. Die Band widmet sich ausführlich der Gefahr, sein eigenes Handeln von äußeren Moden bestimmen zu lassen. Eine Hymne an die eigene Rebellion und Freiheit.
„Die Sänger singen noch“ ist für uns der Song des Albums, der am meisten zur Livehymne taugt. Eine wirklich gelungene Ballade, die das sozialkritische Thema des Vorgängertitels kunstvoll fortsetzt. Eine Mahnung daran, dass Kunst eben mehr ist als Melodie, und dass das Feuer des Herzens, das die Kunst erst lebendig macht, nicht durch kalte K. I. ersetzt werden darf oder durch das Bestreben einzelner Gruppen beschnitten werden darf. Der Song ist zweimal auf dem Album enthalten. Die zweite Version, aufgenommen als Gruppenprojekt mit befreundeten Künstlern unter anderem von Saltatio Mortis, Subway to Sally und Mono Inc., ist sogar noch besser und eindrucksvoller.
Bei „Der König ist pleite“ nimmt die beißende Kritik weiter Fahrt auf. Diesmal auch in der Instrumentierung. Dunkel und schwer ist das Ganze, bis der Refrain ein wenig Lockerung bringt. Eine spannende Mischung aus NDH und Mittelalterrock.
„Ich bin kein Engel“ ist der wohl poetisch stärkste Song der Platte. Ein sehr einfangender Refrain und ein Teufel, der den Teufel besingt – das hat viel Ironisches. Dazu kommen die fein gesetzten lyrischen Kontraste. Skippen sollte man hier nicht.
Nach dieser Aneinanderreihung von schwerer Kost, gestehen Tanzwut mit „Sag niemals nie“ und „Wir habens übertrieben“ wieder zwei Partykracher zum Verschnaufen gegönnt. Also ab in die Tanzschuhe, Freunde.
Punkig wird es in „No Future“. Die volle Packung Gesellschaftskritik, aber auch in der Härte kompromisslos. Der Moshpit kann da schon mal geöffnet werden.
Drei gefühlvolle Balladen beenden die Platte. Die Band setzt sich hier mit Freundschaft, Liebe und der Ewigkeit auseinander. So werden wir mit dem Gefühl entlassen, dass es sich, auch wenn vieles Scheiße ist, lohnt, diese stürmischen Wellen des Lebens zu umschiffen, weil uns am Ende doch mehr trägt als die zeitlichen Gegebenheiten.
Fazit: Tanzwut-Fans finden hier alles vor, für das sie die Band feiern. Harte Rocknummern, launige Trink- und Feiersongs und wohlige Schauer inspirierende Balladen. Ein Album, das wie ein Herz pulsiert, steinharte Riffs bietet und mit treffenden Balladen vom Herz aus Stein in das des Hörers sticht. Selbst wenn man mit der Band bisher nicht viel zu tun hatte, wird man in Songs wie „Die Sänger singen noch“ Melodien finden, die mitreißen.
Vielen Dank fürs Lesen und bleibt metallisch. \m/
Christian Peeck, Moshpit Kombinat 2026