Skáld- Ørlog

Wenn sich aus Traum, Prophezeiung und Wissen das Schicksal schält.

 

Skald melden sich mit einem neuen Album zurück und führen uns auf eine Reise tief in die nordische Mythologie. Hinein in ätherale Traumwelten sowie Gefahr, die sich oft in Schönheit versteckt. Sie zeichnen uns durch ihre Musik, lebendige Geschichten vor Augen.

Das ganze Werk bekam den Titel „Orlog“, was sich frei als "Schicksal" übersetzen lässt. Bei der Instrumentierung gehen Skald zu ihren Wurzeln zurück. Wir hören Hörner, Lyren, irische Bouzouki, verschiedenste Percussions sowie Maultrommel und Flöte im Einsatz. Dazu gesellt sich der vielschichtige Gesang, der jedem einzelnen Song Spannung verleiht.

Wir starten mit „Draumakona“ ins Album: Hier werden wir gleich mit tiefen Trommeln empfangen und schamanischer Gesang führt uns auf den Weg mit der „träumenden Frau“ Ranghildr. Mit ihr beginnen wir unsere Reise zu den Nornen und durch die Neun Welten. Der Track bleibt dabei auch im mittleren Tempobereich seiner hypnotischen Grundstruktur treu.

Weiter geht es mit Myrkvidr, dem dunklen Wald, durch den auch schon Thor und Loki reisten. Die Stimmung wird hier deutlich treibender. Es wird aufgezeigt, dass wir uns hier nicht an einem Ort befinden, der für ein gemütliches Picknick geeignet wäre. Justine Galmiche hält sich gekonnt im Hintergrund, schaltet sich pointiert ein und untermalt so die bedrohliche Atmosphäre, die ihre männlichen Kollegen erschaffen.

Ratatoskr beschäftigt sich mit dem listigen Eichhörnchen, das durch die Zweige Ygdrasils huscht und Zwietracht sät zwischen dem Adler in den Wipfeln und Nidhöggr, dem Drachen, der an den Wurzeln des Baumes nagt. Der Song beginnt träumerisch und wird dann zur Mitte hin schwer und unheilverkündend. So wie der kleine Nager selbst, erst unscheinbar, aber vielschichtig.

In Dokksalir begeben wir uns in „Dunkle Hallen“, voll von verführerischen Wesen, die dort lauern, und hinter deren schönem Schein Gefahr steckt. Dieses Gefühl wird im ganzen Stück übertragen. Er ist fast ausschließlich sehr fröhlich gehalten und erst mit dem Ausklingen erkennen wir die Gefahr hinter der Schönheit. Besonders die genutzten Streichinstrumente unterstreichen das.

Weiter geht es nach Utgardr, in der nordischen Mythologie eine Festung der Riesen. Thor, Loki und ihr Begleiter Thalfi bekommen hier vom Festungsherrn Utgardr Loki mehrere Aufgaben gestellt, in denen sie sich beweisen sollen. Sie scheitern allesamt. Später stellt sich dann heraus, dass Utgardr Loki sie alle durch Illusionen täuschte. So sollte Thor beispielsweise eine kleine Katze anheben, die sich aber als die Weltenschlange Jormungandr entpuppte. Immerhin schaffte er es, eine Pfote zu heben. Diese Ungewissheit zwischen dem Realen und der Illusion stellt Skald gelungen dar. Das Lied ist sehr dynamisch, instrumental wie auch stimmlich. Der Zuhörende hat Mühe dabei, herauszufinden, wer gerade singt, wer die Geschichte vorträgt. Mit anderen Worten: Was ist gerade „real“?

Ek skal rida. „Ich werde reiten“ schickt uns wieder auf die Reise. Das Lied startet sehr langsam und getragen. Es wird nicht gesungen, sondern gesprochen, und nur Streichinstrumente und leise Trommeln führen uns hinein. Erst ab der Hälfte der Spielzeit wird der Song vielschichtiger, bleibt aber getragen und strahlt Ungewissheit aus.

Mit Himinbjörg ändern Skald noch wieder die Gangart und schalten gleich mehrere Gänge hoch. Himinbjörg ist die Wohnstätte des Götterwächters Heimdall. Der Song ist entsprechend drückend gestaltet. Ein Wendepunkt unserer Reise. Von hier geht der Bifrost aus, die Regenbogenbrücke, welche die Welt der Götter mit der Welt der Menschen verbindet. Diese drückende Autorität spürt man im ganzen Stück.

 

Im Stück „Heiemo og Nykkjen“ wird es wieder deutlich bedächtiger. Als würde man an einem Feuer zur Ruhe kommen.

Veit barnit geht dann noch mal einen ganz eigenen Weg. Das Stück mit dem Titel „Das Kind weiß es“ beginnt mit einem brabbelnden Kleinkind und wirkt über die gesamte Spielzeit äußerst mystisch. Dunkle Stimmen schalten sich ein und sprechen mit dem Kind, was noch einmal unterstreicht, dass es als Neuankömmling im Diesseits noch ein Stück weit zwischen den Welten steht und über Wissen verfügt, das den Älteren abgeht.

Den Schlusspunkt setzt Eldr ok Iss, „Feuer und Eis“. Skald gehen hier auf den nordischen Schöpfungsmythos ein, in dem aus den Gegensätzen von Feuer und Eis die ersten Wesen entstanden. Der Song beginnt dunkel und leer wie die Urschlucht Ginnungagap und füllt sich nach und nach mit Text und Instrumentierung, während Feuer und Eis kollidieren. Die letzten Sekunden sind dann wieder in Stille gehüllt. Wenn man möchte, könnte man sagen: in Erwartung, was aus dieser Schöpfung wohl entstehen mag.

 

 

Fazit: Skald legen uns epische Kost auf den Teller, mit der man sich erst einmal beschäftigen muss, um sich nicht zu verschlucken. Dennoch ist es der Gruppe gut gelungen, mit Orlog etwas zusammenzustellen, das den Hörer auf eine Reise mitnimmt und nicht einfach nordische Themen runterrattert. Ein Sound für die nun wieder dunkler werdenden Tage.

Christian Peeck- Moshpit Kombinat 2026

Danke fürs Lesen und bleibt metallisch. \m/

 

 

 

 

 

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