Sagenbringer- Sagendarium

Sagenhafte Interpretation des Legendariums

 

 

Sagenbringer ist eine der aufstrebendsten Bands der Folkmetalszene und wir waren gespannt wie die berühmten Flitzebögen auf die Sagendarium-EP. Ob die Band ihre epische Reise fortsetzt oder sie sich in die Reihe der vergessenen Gesichtenerzähler vor Alters einreiht, lest ihr jetzt.

 

Bevor ich auf die musikalische Qualität eingehe, möchte ich einmal herausstellen, wie gut es Sagenbringer gelungen ist, die Geschichten Tolkiens und die damit transportierten Gefühle in ihre Musik zu übertragen. Der für die EP gewählte Titel, ein Mischwort aus dem Bandnamen und Tolkiens Legendarium, das über die Völker und Legenden Mittelerdes berichtet, ist dafür genauso Sinnbildlich wie die fein ausgearbeiteten Songs, die eine kompromisslose Härte mit einer packenden Erzählweise mischen.

 

Wir steigen mit dem hundertundelfzigsten Geburtstag eines gewissen Hobbits in die EP ein. Fröhliche Flötenklänge werden von druckvollen Drums begleitet, während die Gitarren ein hartes, aber im Hintergrund verweilendes Fundament legen. Haldruhir spielt geschickt mit Zitaten aus der berühmten Feierszene von Bilbos Geburtstag und flechtet sie in den Text ein. So werden wir zum Beispiel noch einmal belehrt, dass es „Stolzfüße“ und nicht „Stolzfußens“ heißt. Auch der Schabernack von Merry und Pipin bleibt natürlich nicht unerwähnt und so erleben wir vor unserem geistigen Auge noch mal, wie der funkensprühende Drache über die Feiernden fliegt und Gandalf die Übeltäter sogleich zur Rechenschaft zieht. Es gelingt den Jungs von Sagenbringer wirklich, für uns Lauschende ein lebendiges Bild aufzurufen.

 

Im Anschluss wird es deutlich ernster mit den Reitern Rohans. Der ganze Titel bildet eine schöne Einleitung, ja einen schönen Übergang zu dem darauffolgenden Titel „Haradrim“. „Reiter Rohans“ ist zwar deutlich melodischer, doch textlich ist gut zu erkennen, dass beide Völker, die Reiter des Westens und die Krieger des Südens, für eine Freiheit kämpfen, die sie bedroht sehen.

 

Die Haradrim werden in Tolkiens Werken nicht einfach als eine Art Gegenstück zu den edlen Menschen Gondors gestellt, sondern werden auch als Menschen gezeigt, die durch eine vorangegangene Kolonialisierung der Númenórer und Gebietskonflikte mit ihnen sowie verletzten Stolz tiefe Wunden davongetragen haben.

Daher war es für Sauron ein Leichtes, die Stämme der Haradrim zu manipulieren, ihren Groll zu einem Hass hochkochen zu lassen und sich selbst als eine Art Gottkönig zu stilisieren und die Haradrim zu indoktrinieren. Oder um es mit Tolkien zu schreiben, der die Gedanken des Samweis beschreibt: „Er fragte sich, wie der Mann hieß und woher er kam; und ob er wohl im Herzen wirklich böse war, oder welche Lügen oder Drohungen ihn auf den langen Marsch von seiner Heimat weggetrieben hatten; und ob er nicht lieber in Frieden dort geblieben wäre …“

Warum schreibe ich das jetzt alles, fragt sich der Nicht-LOTR-Fan jetzt sicher. Meiner Meinung nach gelingt es den Jungs von Sagenbringer unglaublich gut, genau diesen Fanatismus und die Wut, welche die Haradrim antreibt, zum Ausdruck zu bringen.

Der Song steigt mit Harfenklängen ein, um dann von einem treibenden Rhythmus nach vorn gepeitscht zu werden. Haldruhir schafft es, den Gedankengang der Krieger zwischen der Grausamkeit des Krieges und seiner Verheerungen, der zurückgelassenen Familie und der Verdrängung dieser Gefühle beim Erklingen des Kriegshorns eindringlich abzubilden.

 

Fazit: Hört unbedingt rein, wenn ihr Tolkiens Geschichten in einem völlig ungewohnten, aber sehr passenden musikalischen Kleid hören wollt. Sagenbringer geben ganz viel spürbares Herzblut in diese Scheibe und das zahlt sich aus.

 

Danke fürs Lesen und bleibt metallisch. \m/

 

 

Christian Peeck, Moshpikombinat 2026

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