Kamelot – Dark Asylum
Kamelot melden sich mit ihrem 14. Studioalbum zurück. Dark Asylum ist als Konzeptalbum angelegt und beschäftigt sich mit einer fiktiven Nervenheilanstalt in einem neo-viktorianischen Zeitalter. Es ist der Versuch, eine Rockoper zu schaffen, in der Dunkelheit, Wahnsinn, Verlangen, religiöser Fanatismus und Wissenschaft aufeinander treffen und ein Spannungsfeld schaffen. Ob das gelungen ist, lest ihr jetzt.
Der Opener „Sanctorium“ beginnt mit einer ominösen Botschaft über die eigene Gefangenschaft in einem Gefängnis, das man sich aus Neurosen und Furcht selbst erbaut hat. Untermalt wird das Ganze von Streichern und Chören, die ein spannungsvolles Ambiente schaffen.
Nahtlos geht der Song über in „Ashen World“. Dieser Track setzt bereits den Ton für das gesamte Album. Tommy Karavik beginnt nach einem Gitarrensolo zum Einstieg kraftvoll, indem er sein Sehnen nach einer besseren Welt besingt, in einem Ton, wie man ihn von seiner für den Powermetal wie gemalten Stimme kennt. Unterstützt wird er dabei von Ignacia Fernandez.
Hier wird es wirklich interessant. Fernandez ist Frontfrau der chilenischen Deathmetalkombo Decessus. Sie ist 2025 mit einem Video ihrer Death-Metal-Performance beim Miss-World-Chile-Wettbewerb viral gegangen. Seitdem ging es für sie und ihre Band ständig bergauf. Erste Festivalauftritte folgten und 2026 schloss die Band einen Plattenvertrag ab. Nun taucht Fernandez auf Dark Asylum als Gastsängerin auf und passt perfekt in das angestrebte Konzept. Karavik sprach über den Protagonisten in Ashen World als eine Person, die am Wendepunkt ihrer eigenen psychischen Reise steht, zerrissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Genau da setzt die Stimme von Fernandes ein. Ihre Screams und Growls werden meiner Meinung nach nicht eingesetzt, um den Sound härter zu machen, sondern gezielt verwendet, um eben diese psychologische Zerrissenheit darzustellen.
In Dark Asylum, dem Titeltrack, wird die fiktive Anstalt Ravenhill vorgestellt, wie sie in einer verlassenen Kathedrale eingerichtet wurde, in der sich Spiritualität, Wissenschaft und Fanatismus meiner Meinung nach zu einem Cocktail mischten, in dem aus der Absicht der Heilung zunehmend etwas wurde, das Trauma und Dunkelheit stattdessen fortsetzte. Das ganze Album spiegelt das mit seinem Auf und Ab im Tempo zwischen Power- und Balladenstücken sehr gut wider.
Sanctuary ist für mich das beste Stück des Albums. Clementine Delauney von Visions of Atlantis gesellt sich dort als Gastsängerin zu Ignacia Fernandez und zusammen mit Tommy legen sie eine unglaubliche Performance hin, die diese zwei Welten, die das ganze Album durchziehen, Hoffnung, dargestellt durch Clementines und Tommys Stimmen, und Verzweiflung, durch Ignacias extreme Vocals optimal zum Ausdruck gebracht, noch mal verdeutlicht. Die drei auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Stimmen fügen sich unglaublich gut zusammen und geben dem Song eine ganz eigene Note.
One Last Masquerade wird durch Tobias Sammet als Gast gewürzt, der durch seine Stimme dem Ganzen ein bisschen mehr Verrücktheit verleiht. Seine stimmliche Präsenz und Emotionalität sind unbestritten.
Was wäre ein Konzeptalbum ohne großartige Balladen und auch da hat Dark Asylum mit „Ivy, My Dear“ und „Enigma“ einiges zu bieten. Besonders das Solo in letztgenanntem Titel ist der Wahnsinn, während bei Ivy die Sehnsucht eines Geplagten greifbar wird.
Dann geht es wieder härter zur Sache. Sleeping Mind und Kaleidoscope sind da zu nennen.
„Beneath the Moon“ ist dann noch einmal vollgepackt mit Gastmusikerinnen. Rannveig Sif Sigurðardóttir und Sólveig Sara Leupold liefern mit ihren ätherischen Stimmen das Gefühl einer mysteriösen Nacht, in der Geheimnisse Gestalt annehmen. Unterstützt werden sie dabei von Eluveities Violinistin Lea-Sophie Fischer.
„Puppetking“ tritt uns dann als Hörende noch mal kräftig in den Hintern, bevor uns „Sanctum Requiem“ episch mit Piano, Violinen und Chören nach Hause trägt.
Fazit: Ein Album, das mich persönlich voll und ganz begeistert hat. Das Konzept ist voll aufgegangen. Kamelot haben ihrer Musik nochmal eine neue Komponente verliehen und eine Metal-Oper erschaffen, die zu keiner Zeit langweilig wird. Technisch stark, mit sehr aufregenden Gästen. Für mich ein Album, das ich noch einige Male hören werde. Shuffelt es nicht, Freunde, gebt es euch in der vorgesehenen Reihenfolge. Die Geschichte, die das Album erzählt, wird euch belohnen.
Danke fürs Lesen und bleibt metallisch. \m/
Christian Peeck, Moshpit Kombinat 2026