Asenblut – Urgewalt
Asenblut melden sich mit ihrem 6. Studioalbum namens „Urgewalt“ zurück. Ob wir mit ähnlich harten und direkten Klängen wie auf dem Vorgänger „Entfesselt“ konfrontiert werden oder ob die Jungs um Tetzel ihren Stil noch einmal verfeinern und die Band die hohen Ambitionen, die sie an Urgewalt geknüpft haben, verwirklichen konnten, all das erfahrt ihr jetzt.
Rein in die Scheibe geht es mit dem Titeltrack „Urgewalt“. Die tiefen Hörner sowie der leise im Hintergrund schwebende, schamanisch anmutende Chant, die mit schwerer Epic in den Song einführen, lassen erahnen: Hier kommt etwas Großes auf uns zu. Im weiteren Verlauf hält das Stück Sekunde für Sekunde das, was es verspricht. Es scheint, als gilt für den Song selbst die in ihm besungene Zeile „geboren aus des Sturmes Schlag“. Besonders deutlich wird das mit dem brachialen Gitarrensolo ab Minute 2:50. Eines der am besten gesetzten Soli, das ich seit langem gehört habe. Es unterstützt die Botschaft des Tracks, Standhaftigkeit im Angesicht von Sturm und Widrigkeit, optimal.
„Asgards Ruf“ lässt uns auch keine Verschnaufpause. Mit treibenden Gitarren und Drums geht es rein. Hervorzuheben ist in dem Song besonders der Refrain. Feine melodische Gitarren stellen Tetzels Gesang wie auf eine Schiene, die einen wilden Achterbahnwagen leitet. Mit dem zweiten Refrain werden wir dann in ein feines Solo gestürzt, das sich erst mit langem, verzerrtem und dann mit präzisem Tapping in Szene setzt, sich aber wie ein Puzzlestück einfügt. Ein Song, um die Nackenmuskeln arbeiten zu lassen.
Weiter geht es mit „Der Druide“.
Schon die letzte Zusammenarbeit von Sagenbringer und Asenblut mit dem Titel „Berserker“, nachzuhören auf dem Album „Zwischen den Welten“, hat für Aufsehen gesorgt und große Spuren hinterlassen. Hier nun setzen sie das Begonnene standesgemäß kraftvoll fort.
Hoch anklingende, melodische Gitarren führen gefühlvoll in das Stück, bevor uns Tetzels tiefe Growls auf den Weg bringen. In diesem Song ist meiner Meinung nach am deutlichsten zu hören, dass Tetzel stimmlich noch einmal einen Sprung nach vorn gemacht hat. Druckvoll und doch nie zu einnehmend trifft er nicht nur musikalisch, sondern auch atmosphärisch die ganzen vier Minuten über einen wohltemperierten Ton. Beide Sänger ergänzen sich sehr gut im Duett. Im Einzelgesang untermalen Haldruhir leidenschaftliche Screams die melodische Härte des Stücks perfekt. Immer wieder begleitet von den schon am Anfang gehörten epischen Gitarren.
Für uns hat der Druide das, was einen guten Paganmetalsong ausmacht. Eine Ode an den Seidr, die Runen und alte Rituale, die zu keinem Zeitpunkt kitschig wirkt, sondern mit Herz und Feuer Lust auf mehr macht.
In „Ende der Pflicht“ steigen wir mit Fry-Screams ein, die ebenfalls zeigen, wie sehr sich Tetzels Repertoire erweitert hat. Im Song selbst wird ein dunkles Bild von Krieg und Kampf gezeichnet. Er ist durchweg druckvoll und wird immer wieder von melodischen Soli aufgenommen, ohne aber die Brutalität zu verlieren. Der dunkle Chor, der aufbrandet, wenn besungen wird, dass die Pflicht erst im Tod endet, sorgt für eine angenehm düster-epische Atmosphäre.
„Barbaren und Legionen“ ist für mich der stärkste Song des Albums. Vielleicht inspiriert von Amon Amarths Feature mit Saxon namens „Saxons and Vikings“, setzen Asenblut und Victorius mit ihrer Interpretation historischen Konflikts jedoch ganz andere Schwerpunkte. Schwer tretende Gitarren lassen die Barbarenhorden erahnen, die sich auf Rom zu bewegen. David Baßins Stimme setzt einen sehr schönen Kontrast zu Tetzels brachialen Growls. Er gibt dem Ganzen eine sehr angenehme Powermetalnote. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber auch hier will ich wieder das sehr feine Solo betonen. Dieser Track zeigt noch einmal deutlich, dass dieses Album für Asenblut mehr ist als eine neue LP. Tetzel sprach im Interview mit den Kollegen von Obleveon über eine „Phase der Emanzipation“ innerhalb der Pagan/Deathmetalszene und mit diesem Stück zeigen die Jungs nochmal deutlich, dass ihr musikalisches Repertoire eine aufregende Zukunft für sie als Künstler und uns als Hörende bereithält. Mit der Frage: Werden sie ihren Stil weiter verfeinern oder vielleicht sogar etwas kreieren, das wir so noch gar nicht gehört haben? Barbaren und Legionen lädt auf jeden Fall dazu ein, an den Wikingern dranzubleiben und gespannt zu sein, was sie uns in Zukunft noch um die Ohren hauen.
Jetzt wird das Album etwas leichter mit „Tavernenrausch“. Der Track beginnt druckvoll und macht sofort klar: Hier wird nicht gespaßt, hier wird gesoffen. Ein Trinklied, das feststellt: „Die Weisheit liegt am Boden des Fasses“ und das nicht eher den Metkonsum einstellt, bis die „Laternen gelöscht“ und die Helme ordentlich verbeult sind. Tetzels harter Guturalgesang, auch hier wieder mit Fryscreams gewürzt, ergänzt sich gut mit dem launigen Singsang der Jungs von Mittel Alta und sorgt so für ein beschwingtes Partyambiente.
Das war es dann aber auch schon wieder mit der Beschwingtheit. „Drei Flüche“ ist ein harter Abrechnungssong an die Menschen, die uns mit ihren Masken hinter das Licht geführt haben. Ein Song, bei dem man mal die ganze angestaute Wut fahren lassen kann.
Nach den Flüchen wird es blutig. „Blut für den Blutgott“ ist der brutalste Song der Platte. Knackige Blastbeats und hartes, jedoch melodisches Shredding massieren hier nochmal ordentlich die Trommelfelle durch.
Wir nähern uns dem Ende mit „Bruderschaft“. Ein sehr emotionaler Song, in dem die Band die Rückschläge auf ihrer fast 20-jährigen Reise verarbeitet. Wie Tetzel dem Publikum auf der „Manchmal kommen sie wieder“-Tour, auf der sie Nachtblut supporteten, verriet.
Den Rausschmeißer macht „Loki“. Hier wird eine der spannendsten mythologischen Figuren besprochen, der Bringer des Feuers und zugleich der Mörder des Lichts in Form des Gottes Balder. Eine Figur, die im Chaos lebt und sich nicht in die Kategorien Held oder Antiheld einteilen lässt. Ein pures Chaos, ein Gott nur sich selbst verpflichtet, eine wahre Urgewalt. Ähnlich chaotisch steigt das Lied auch ein, bis es dann spürbar melodischer wird. Ein richtig guter Abschluss.
Fazit: Asenblut hatten angekündigt, mit dem Album etwas sehr Ambitioniertes umsetzen zu wollen, und es ist ihnen auf ganzer Linie gelungen. Sie haben ihren Stil gezielt mit neuen stimmlichen und instrumentalen Registern erweitert, sind sich aber dennoch treu geblieben. Diese Symbiose aus Frischem und Altbewährtem macht das Werk zu einer Platte, die kein Melodic-Death-Metal-Fan verpassen sollte. Ich bin wirklich gespannt, was von den Jungs noch alles kommt.
Danke fürs Lesen und bleibt metallisch. \m/
Christian Peeck, Moshpitkombinat 2026