Im Gespräch mit Tetzel von Asenblut
Der gute Tetzel war so nett, uns am Rande des Asenblut-Gigs im Hellraiser Leipzig ein Interview zu geben. René hat mit ihm über die Band, seine persönliche Entwicklung und natürlich auch das neue Album „Urgewalt“ gesprochen.
René: Tetzel! Erst mal vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst für uns.
Tetzel: Ja, gerne!
René: Wenn du heute auf die Geschichte von Asenblut zurückblickst, hättest du damals gedacht, was aus der Band wird?
Tetzel: Hmm, das ist eine interessante Frage. Tatsächlich nein, denn die Schritte, die wir gerade in den letzten drei Jahren gegangen sind, waren doch sehr bewusste Entscheidungen. Früher war der Gedanke eher, die Musik aus Leidenschaft und Spaß an der Freude zu machen, aber dass man das Ganze doch effizienter machen kann, wenn man es professioneller angeht, das hat sich erst sehr spät entwickelt. Wir haben relativ lange gebraucht, um zu merken, dass, wenn wir alles mit ner halben Arschbacke machen, wir es dann auch eher lassen können und an den paar Shows, die wir im Jahr spielten, auch wenig Freude hatten. Das hat sich auch noch mal verändert, als die Band sich auch lokal verändert hat. Wir haben uns ja als Studentenband gegründet. Wir waren zwar nie eine Band, die bei Proben gesoffen hat oder so. Wir haben schon immer effizient Musik gemacht. Doch gerade als wir uns räumlich weiter entfernten, war schon das Gefühl da: „Ok, damit das jetzt hier noch Sinn macht, müssen wir das schon mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betreiben.“ Das war so vor mittlerweile 19 Jahren nicht absehbar.
René: Wenn du Asenblut heute mit drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?
Tetzel: (lacht) Drei Worte, überlegt Ich sage: brachial, live, wenn man es wirklich als einzelnes Wort macht, und Leidenschaft.
René: Das hört sich gut an. Haben sich die Worte jemals verändert?
Tetzel: Ja, definitiv! So ein bisschen einhergehend mit dem, was ich in der ersten Antwort gesagt habe.
René: Was ist für dich, nach all den Jahren, immer noch der Grund, auf die Bühne zu gehen?
Tetzel: Mehr als je zuvor, dass man eine ganz klare Verbindung zum Publikum schafft, dass man mit den Leuten interagieren kann und natürlich auch, wie wir es oft besingen, die Gemeinschaft und Verbundenheit innerhalb der Metalcommunity spürt, die sich natürlich auch immer erweitert. Ich habe neulich mit den Jungs erst drüber geredet. All die Jahre im Underground, da gab es das Thema: „Wie ist der Vorverkauf oder wie viele Leute kommen?“ überhaupt nicht. Das war ne Show, die hat man gespielt. Ob da 25 oder 200 Leute waren, das war egal. Das hat immer Spaß gemacht und Leidenschaft gebracht, aber natürlich hat sich das auch weiterentwickelt und man schaut da heute natürlich auch in einer anderen Art drauf. Wie wir alle wissen, alles wird teurer, die Zeit geht einfach weiter und man muss dann auch gucken, wenn es über diese Form des reinen Hobbys hinausgeht, dass es sich dann in sich auch sinnvoll gestaltet und trägt. Das funktioniert natürlich nur mit einer ganz starken Zusammenarbeit. Wir sind hier natürlich die Kunstschaffenden und zugleich Fans der Kunst und auf der anderen Seite gibt es dann die Fans, die zu den Shows kommen und das mit uns teilen, und das ist einfach großartig.
René: Lass uns zum Album „Urgewalt“ kommen.
Tetzel: (erwartungsvoll) He, jaaaa.
René: Was war dein erster Gedanke beziehungsweise Impuls zur Entstehung des Albums?
Tetzel: Für uns war nach „Entfesselt“ gleich klar, dass wir fleißig dranbleiben wollen. Wir haben ja erst sechs Alben produziert. Natürlich haben sich die Industrie und die Musik auch verändert, doch wenn man auf andere Bands zu bestimmten Zeitpunkten ihrer Karriere schaut, dann spricht man üblicherweise davon, dass im Zweijahresrhythmus ein neues Album entstanden ist. Wir haben oft vier Jahre oder länger gebraucht und da muss man natürlich auch ganz klar sagen: Wenn der Künstler seine Kunst nicht an die Leute bringt, dann fällt man da natürlich zurück. Daher war für uns ganz klar: Wir schreiben direkt weiter Songs und produzieren neues Material. Da haben wir im Moment ein sehr gutes Modell gefunden. Unser Drummer schreibt die Songs im Prinzip, das heißt, er schickt mir einen rohen Track, und ich übernehme dann die Produzententätigkeit. Dann gebe ich meine Inputs und sage: „Okay, lass uns hier noch mal ein bisschen mehr machen oder hier einen Part weniger. Das Intro gefällt mir, oder die Strophe ist nicht so toll. Lass uns das ändern.“ Soweit als kurzes Beispiel, wie es bei uns abläuft. Wir arbeiten da auch wirklich gut zusammen, er ist da sehr offen. Natürlich gibt es aber auch mal Diskussionen. Die Detailarbeit kommt dann bei uns immer schon ziemlich schnell. Wir haben auch jetzt schon, Spoiler, für das nächste Album viel vorgearbeitet.
René: Hey, sehr geil.
Tetzel: Wir werden uns aber trotzdem nicht überschlagen, denn uns ist sehr wichtig, dass die Musik auch immer inspiriert bleibt. Kopliklaani haben ja zum Beispiel in den 2010er Jahren jedes Jahr ein Album rausgebracht, die alle zum Verwechseln ähnlich sind, und das möchte ich nicht. Das heißt auch nicht, dass ich jedes Mal das Rad neu erfinden will. Ich will natürlich das stringent machen, was wir gut können, darin wachsen, aber es soll schon das Gefühl da sein, dass man sich musikalisch auch entwickelt. Zum Beispiel haben wir jetzt erst eine Kritik – nicht von euch – bekommen, die darauf abzielte, dass wir uns in unserer Schiene festfahren würden. Gerade jetzt bei Urgewalt habe ich dieses Gefühl überhaupt nicht. Wir haben uns da ganz weit aus dem Fenster gelehnt, zum Beispiel mit dem Feature, das wir mit Mittelalter aufgenommen haben, wo unsere normalerweise sehr ernste Musik doch in eine andere Richtung geht. Mit Victorius zusammen haben wir Powermetal ins Album reingebracht.
René: Richtig geiler Song.
Tetzel: Dankeschön! Ich lieb ihn auch auf jeden Fall. Daher kann ich es auch nicht nachvollziehen, wenn jemand sagt: „Ey, die sind voll auf ihrer Schiene.“ Es ist mir wichtig, dass wir musikalisch auch immer wieder über den Tellerrand hinausgucken.
René: Du nimmst ja mittlerweile seit 6 Jahren Gesangsunterricht. Gab es einen Moment, in dem du selbst überrascht warst, was du alles daraus mitnehmen konntest?
Tetzel: Jein, aber es ist schon so, dass man dadurch immer wieder das Feedback bekommt, wenn man sich selbst verfeinert und ein besseres Gefühl bekommt. Ich bin ja kein gelernter Musiker. Unser Drummer und auch Alex, unser Gitarrist, sind beide studierte Musiker und sind natürlich sehr professionell, wohingegen ich erst in nun zwei Jahrzehnten harter Arbeit gelernt habe, mein musikalisches Gehör Stück für Stück zu entwickeln. Das ist bei weitem noch nicht so ausgeprägt wie bei Anderen, aber da hat mir der Unterricht schrittweise etwas gebracht. Mein Gesang ist in der Vergangenheit auch öfter ein Thema gewesen. Manche fanden es früher besser, aber ich finde, vom technischen Gesichtspunkt her hat sich da schon viel weiterentwickelt. In Asenblutsongs liegt auch viel mehr Melodie, als die Leute das meist vermuten. Entfesselt war sehr brachial, das war der Idee des Albums geschuldet, doch Urgewalt ist das definitiv schon wieder einen ganzen Schritt weiter.
René: Danke soweit. Eine letzte Frage hab ich noch. Du hast mit All for Metal ein komplett anderes musikalisches Spielfeld. Was bekommst du dort, das du bei Asenblut nicht bekommst, und umgekehrt?
Tetzel: Asenblut, ist natürlich mein Baby. Da steckt unglaublich viel Arbeit drin. Natürlich ist das bei All for Metal auch der Fall, aber dort war schon sehr früh eine Unterstützung da, die wir so mit Asenblut nie hatten und die mir auch wiederrum geholfen hat zu verstehen, wie bestimmte Prozesse im professionellen Musikgeschäft ablaufen. Das hat sich dann natürlich auch positiv auf die Professionalisierung von Asenblut ausgewirkt. Das ist jetzt unsere erste eigene Headlinertour mit Nightliner. Das ist natürlich auch, gerade in der heutigen Zeit, ein finanzielles Risiko. Wir wissen alle, was gerade zum Beispiel an der Zapfsäule los ist (lacht). All for Metal gibt mir die Möglichkeit, mit einem großen Augenzwinkern auch mal als Fan auf der Bühne zu stehen. Es hat einen sehr hohen Anspruch, aber auf ganz anderer Ebene. Bei Asenblut habe ich das Gefühl, ganz viel Verantwortung in den Händen zu halten, die ich bei All for Metal auch mal ein Stück weit abgeben kann.
René: Vielen Dank, Tetzel.
Tetzel: Gerne!
Auch der Rest des Kombinats bedankt sich für deine sehr ausführlichen und aufschlussreichen Antworten Tetzel. Viel Erfolg auf der Tour.
Interview: René Schwidder, Moshpitkombinat 2026
Übertragung: Christian Peeck, Moshpitkombinat 2026