Weckt die Toten Festival

Die glorreichen Spielmänner um Micha Rhein baten nach 2024 nun erneut zum lustigen Treiben auf die Peißnitzinsel Halle. Die Gerufenen kamen in Scharen und so stellte sich schon bald heraus, dass die kleine Insel für den Ansturm nicht allzu gut gerüstet war. Doch mehr dazu später.

Zuerst konnten wir ein sehr liebevoll zusammengestelltes kleines Markttreiben bewundern. Es fehlte an nichts, was das dem Mittelalter zugeneigte Herz begehrt. Natürlich gab es ein Met-Zelt, den ein oder anderen Stand mit Räucherei, allerlei Lederwaren und Schmuck in der Auslage. Auch am Schießstand mit Bogen und an einem Spiel, dessen Ziel es war, mit einer Kegelkugel ein auf einem Baumstamm liegendes Ei zu knacken, konnte man sich erfreuen.

Bald schon begann dann auch Doppelbock, das Publikum mit Liedern über den lieben Geist des Alkohols und mächtige Feierei auf Touren zu bringen. Die Jungs aus Hessen sprangen spontan für die leider verhinderten Mantra ein und erwiesen sich als mehr als würdiger Ersatz. Besonders „König vom Getränkemarkt“ hatte es mir musikalisch angetan. Doch generell sei die Band jedem ans Herz gelegt, der Punk im Stile der Dropkick Murphys gern durch den Gehörgang scheppern lässt.

Weiter ging es mit Subway to Sally. Gleich zu Beginn hob die Band ihren langen Weg mit In Extremo in der Szene hervor, bedauerte aber auch, dass sich die Wege bisher viel zu selten kreuzten. Vielleicht war das einer der Gründe, warum sie gleich in die Vollen gingen und ihre Gassenhauer wie „Räuber saufen Blut“, „Sieben“ und „Falscher Heiland“ zum Besten gaben und dabei auch mit der Funkenpyro nicht sparsam waren.

Uns zog es nach dem Auftritt der Brandenburger zurück auf den Markt, wo wir uns in eine der endlos scheinenden Schlangen an den wenigen Imbissständen einreihten. Hier offenbarte sich tatsächlich die erste Schwäche der Festivalorganisation. Ein paar mehr Stände zur Beköstigung hätten der Veranstaltung gutgetan. Stattdessen sorgte das fast einstündige Anstehen für Pommes, die leider dann auch noch so salzig waren, dass die Nieren leidvoll aufstöhnten und die Zunge, zu einem Lederriemen verhärmt, nach Wasser oder Bier bettelte. Letzteres war mit 6 € für den halben Liter sehr fair bepreist. Dazu gab es auch schicke In-Ex-Tour- und Festivalbecher, was unseren Sammler René sehr erfreute.

Zurück auf dem Bühnengelände spielten nun Windrose ihren „Dwarfmetal“. Zweimal durften wir sie jetzt schon sehen, auf dem Rockharz 2023 und jetzt auf der Peißnitzinsel, und diese Band gehört auf jeden Fall zu denen, die immer abliefern, wenn sie auf dem Lineup stehen. Wer könnte dem kräftigen Gesang und Texten wie „Diggi, diggi, hole“ schon widerstehen? Aber ernsthaft, die Jungs sind eine stabile Adresse für Powermetalfans.

Jetzt, als alle Anwesenden auf Betriebstemperatur gebracht waren, nahmen Eisbrecher die Bühne in Beschlag. Eine richtig geile Lichtshow und eine fesselnde Band, die mit harten Riffs und emotionalen Songs wie „1000 Narben“ für viel Crowdengagement sorgte. Hier offenbarte sich leider eine weitere kleine Schwäche des Festivals. Wie schon am Anfang erwähnt, war die Insel etwas klein für die Zahl der Gäste, was zu schlechter Sicht führte, wenn eine Band wie Eisbrecher eben viele aufs Infield zog. Zwar wurde versucht, mit einer Leinwand und einem Kamerateam, die wirklich gute Bilder lieferten, Abhilfe zu schaffen, doch nützt das leider wenig, wenn ein Bierwagen so aufgestellt ist, dass er den Blick auf genau diese Leinwand versperrt. Im nächsten Jahr sollte man vielleicht die Bierversorgung wie auch die Imbissstände alle an den Rand des Geländes stellen.

Doch auch diese kleine Unannehmlichkeit trübte die Vorfreude auf den Headliner des Abends nicht. Micha und Mannen rissen wie gewohnt die Bühne ab. „Frei sein“, „Liam“, „Mein rasendes Herz“, „Störtebecker“ und noch viele weitere Stücke quer durch die ganze Bandgeschichte ließen keine Wünsche offen. Die Band gab alles und verfeuerte eine Pyromenge, die, so könnte man meinen, das Jahr über aufgespart wurde. Zum Abschluss gab es noch ein beeindruckendes Feuerwerk und wir machten uns müde, aber zufrieden auf den Heimweg und freuten uns schon aufs nächste Jahr.

Für 2027 ist mit Mittelalta, Mono Inc., Doro und Fiddlersgreen ein sehr hochwertiges Lineup angekündigt, auf das wir schon gespannt warten.

 

 

Bis dahin danke fürs Lesen und bleibt metallisch. \m/


Christian Peeck, Moshpitkombinat 2026

Doppelbock

Subway to Sally

Wind Rose

Eisbrecher

In Extremo

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